Stell dir eine Sommerunterkunft an der Jersey Shore vor. Nun vergiss die Vorstellung eines gewöhnlichen Strandhauses und ersetze sie durch ein Zeltdach.
Ocean Grove in New Jersey ist eine historische Stadt im viktorianischen Stil, die für ihren urigen Charme und ihre malerische Küste bekannt ist. Doch das Faszinierendste daran ist „Tent City“, eine eng verbundene Gemeinschaft aus 114 Zelten aus Segeltuch und Holz.
Hier leben die Bewohner vom Memorial Day bis zum Labor Day komplett in Zelten. Es ist eine äußerst begehrte Sommertradition, und wenn du mitmachen willst, musst du vielleicht ein paar Jahrzehnte warten.
Eine Tradition am Meer, die bis ins Jahr 1870 zurückreicht
Die Zeltgemeinde von Ocean Grove blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1870 als methodistischer Sommererholungsort gegründet, gab es in der Stadt einst 200 Zelte pro Haus.
Heute gruppieren sich die noch erhaltenen 114 Zelte dicht um das hoch aufragende Great Auditorium der Stadt. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um gewöhnliche Campingzelte.
Jede Unterkunft besteht aus einem vorderen Raum aus Segeltuch, der an eine Holzhütte angebaut ist. In der Hütte befinden sich die wichtigsten Einrichtungen, darunter eine Küche, eine Toilette und eine Dusche. Die gesamte geschlossene Wohnfläche beträgt gemütliche 600 Quadratfuß. Die Zeltbewohner werden bei der Raumaufteilung unglaublich kreativ und nutzen Futons und Etagenbetten, um den winzigen Platz optimal zu nutzen.
Die berühmt-berüchtigte lange Warteliste
Die Miete für eines dieser skurrilen Sommerhäuser kostet zwischen 4.000 und 8.000 Dollar pro Saison. Aber nur weil du das Geld hast, bekommst du noch lange keinen Platz.
Die Warteliste für Tent City ist legendär. Derzeit stehen über 300 Menschen auf der Warteliste, wobei einige Interessierte bereits seit den 1980er Jahren warten. Da die Gemeinschaft so tief verwurzelt ist, überspringen viele Pachtverträge die Warteliste komplett, da sie als „Generationswechsel“ innerhalb der Familien weitergegeben werden.

Skurrile Regeln für ein minimalistisches Leben
Da Ocean Grove in seiner religiösen Arbeit verwurzelt ist, unterliegt das Leben in den Zelten ganz bestimmten Regeln.
Potenzielle Mieter müssen sich einem persönlichen Vorstellungsgespräch bei der Camp Meeting Association unterziehen. Sobald sie aufgenommen wurden, müssen sie sich voll und ganz auf einen minimalistischen, gemeinschaftsorientierten Lebensstil einlassen.
Haustiere, Untervermietung und Grillpartys im Freien sind strengstens verboten. Ocean Grove ist außerdem eine „trockene“ Stadt, obwohl die Bewohner auf ihren winzigen Veranden ganz unauffällig einen Drink aus einem Becher genießen dürfen.
Die Zelte stehen unglaublich dicht beieinander – so dicht, dass man fast die Hand ausstrecken und seinen Nachbarn berühren könnte. Um den Frieden auf so engem Raum zu wahren, gelten strenge Ruhezeiten von 22 Uhr bis 7:30 Uhr.
So kannst du dir die Zelte selbst ansehen
Die Zelte sind zwar private Saisonvermietungen und können von innen nicht besichtigt werden, liegen aber direkt an öffentlichen Straßen und Gehwegen.
Besucher können ganz einfach einen malerischen Spaziergang an den bunten, gestreiften Markisen und winzigen Veranden entlang machen, um diese 150 Jahre alte Tradition hautnah zu erleben. Plant euren Tagesausflug aber unbedingt zwischen Mitte Mai und Mitte September, bevor die Zelte für den Winter abgebaut werden.