Fast ein Jahrhundert nach seiner Eröffnung erwacht das letzte geschlossene „Wonder Theatre“ im gesamten Großraum New York endlich wieder zum Leben.
Das Loew’s Jersey Theatre am Journal Square soll diesen Herbst nach einer umfassenden Restaurierung im Wert von 130 Millionen Dollar wiedereröffnet werden – und wenn es soweit ist, wird es sofort zum größten Veranstaltungsort von Jersey City mit Platz für bis zu 4.000 Menschen.
Hier erfährst du, was auf der anderen Seite des Flusses tatsächlich los ist und warum es die Live-Unterhaltungsszene der Gegend bald auf den Kopf stellen wird.

Ein Kinopalast, gebaut für Legenden
Das Loew’s Jersey Theatre wurde 1929 als eines von fünf opulenten „Wonder Theatres“ der Loew’s-Kette eröffnet und ist neben Schwestertheatern wie dem Loew’s Kings in Brooklyn und dem United Palace in Manhattan das einzige der fünf, das außerhalb von New York City selbst gebaut wurde.
Das vom Architekten George Rapp im vergoldeten Barock-Rokoko-Stil entworfene Theater wurde ebenso sehr als Zufluchtsort wie als Unterhaltungsstätte erbaut und bot Menschen aus allen Gesellschaftsschichten während der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkriegs einen spektakulären Ort, an dem sie dem Alltag entfliehen konnten.
Die Gästeliste von damals liest sich wie ein Fiebertraum: Duke Ellington, The Four Seasons, Judy Garland und Mickey Rooney haben alle irgendwann einmal die Bühne beehrt.
Im Jahr 1933 sah der noch jugendliche Frank Sinatra Bing Crosby live im Loew’s Jersey auftreten – ein Abend, dem weithin zugeschrieben wird, ihn zu seiner eigenen Gesangskarriere inspiriert zu haben.
Jahrzehntelanger Niedergang, dann ein Kampf der Basis, um es zu retten
Wie viele andere alte, prächtige Kinopaläste ist auch das Loew’s Jersey nicht gerade in Würde gealtert.
In den 1970er Jahren wurde es zu einem Kino mit drei Sälen umgebaut, und in den 1980er Jahren drohte ihm der vollständige Abriss. Eine hartnäckige Gruppe lokaler Denkmalschützer wollte das nicht zulassen und setzte die Stadt 1987 unter Druck, das Gebäude direkt zu kaufen und es der gemeinnützigen Organisation „Friends of the Loew’s“ zu übergeben.
Was folgte, waren zwei Jahrzehnte purer ehrenamtlicher Einsatz.
Mit kaum genug Geld, um die Heizung am Laufen zu halten oder die Toiletten funktionsfähig zu machen, tauchten bis 1996 fast jedes Wochenende Freiwillige auf und kümmerten sich um alles – von der Neuverkabelung der Beleuchtungssysteme bis hin zum Abkratzen und Neulackieren jedes einzelnen Sitzes von Hand. Bis 2001 waren genügend Fortschritte erzielt worden, sodass das Theater zum ersten Mal seit 15 Jahren teilweise wiedereröffnet werden konnte und vereinzelte Live-Shows und Filmvorführungen veranstaltete, bis es für diese letzte Sanierungsphase wieder geschlossen wurde.

Was man für 130 Millionen Dollar eigentlich bekommt
Die Kosten für dieses Projekt schwankten jahrelang stark und stiegen von geschätzten 40 Millionen Dollar im Jahr 2020 auf 72 Millionen Dollar im Jahr 2021, bevor sie aufgrund wiederholter Verzögerungen und steigender Materialkosten schließlich auf 130 Millionen Dollar anwuchsen.
Und dafür wird das ganze Geld ausgegeben:
- Flexible Bestuhlung, die von 2.600 Sitzplätzen bis zu einer Kapazität von 4.000 Personen im Stehplatzbereich reicht
- Komplett modernisierte Ton- und Lichtanlagen, ausgelegt für Konzert-Tourneen und Comedy-Shows
- Ein restauriertes, vergoldetes Interieur im Barock-Rokoko-Stil, einschließlich einer Decke, die gerade von jahrzehntelangen Rauchablagerungen gereinigt wurde
- Eine modernisierte Laderampe und Backstage-Bereiche, die speziell für große Tournee-Produktionen ausgelegt sind
- Architektur unter der Leitung von OTJ Architects; der Veranstaltungsort wurde bereits 2022 zum National Historic Landmark erklärt
Nach der Wiedereröffnung soll das Theater voraussichtlich rund 150 Veranstaltungen pro Jahr beherbergen – von Konzerten und Comedy bis hin zu kommunalen Programmen und Sportveranstaltungen.
Ein Moment, in dem sich der Kreis schließt – nach 100 Jahren
Diese Wiedereröffnung schließt einen Kreis, der in Denkmalschutzkreisen wirklich selten ist.
Mit der Wiedereröffnung des Loew’s Jersey werden nun endlich alle fünf ursprünglichen Wonder-Kinos restauriert und wieder in Betrieb genommen – fast ein Jahrhundert, nachdem Loew’s sie erbaut hatte, um seine Vorherrschaft in der Filmindustrie zu untermauern.
Gerade für Jersey City ist das mehr als nur ein Nostalgie-Projekt.
Bürgermeister James Solomon bezeichnete das Theater als „ein Symbol für die Vergangenheit und Zukunft von Jersey City“ und verwies dabei auf die lange Geschichte des Journal Square als Heimat für Arbeiterfamilien und Einwanderer, die nie aufgehört haben, für ihr Viertel zu kämpfen.
Dass der größte Veranstaltungsort der Region genau in diesem Viertel entsteht, ist ein ebenso deutliches Signal wie jedes andere dafür, dass Jersey City seinem alten Ruf als reine Schlafstadt für Manhattan entwachsen ist.